Informationen zur Gruppenausstellung Alois Riedl, Annerose Riedl und Wolfgang Stifter
Diese Ausstellung vereint drei markante künstlerische Positionen, die sich seit Jahrzehnten mit den grundlegenden Fragen von Form, Raum und Materialität auseinandersetzen. Monumentale malerische Verdichtung, archaische Skulpturen aus Holz und eine hochdynamische, zeichnerische Geste treten in einen vielschichtigen Dialog. Was sie verbindet, ist die kompromisslose Konzentration auf das Material und das spürbare Ringen um Struktur, Rhythmus und Präsenz.
Die Arbeiten von Alois Riedl, Annerose Riedl und Wolfgang Stifter treten nicht in Konkurrenz, sondern begegnen einander als eigenständige Stimmen, die sich wechselseitig schärfen. Wo das eine Werk physische Schwere behauptet, antwortet das andere mit vibrierender Bewegung oder rauer Unmittelbarkeit. Es geht um die Transformation von Wahrnehmung in bleibende Substanz, um das Verhältnis von Entschiedenheit und Intuition.
Gemeinsam erzeugen die drei Positionen ein dichtes Spannungsfeld von seltener Intensität. Annerose Riedls kraftvoll aus dem Stamm geschlagene Figuren mit ihren sichtbaren Bearbeitungsspuren begegnen den wuchtigen, fast plastisch greifbaren Bildkörpern von Alois Riedl. Wolfgang Stifters rhythmische Linienbündel und farbige Setzungen wirken darin wie ein pulsierender Gegenpol, der das Statische öffnet und den Raum in Schwingung versetzt. Die Ausstellung entfaltet sich als eindringliches Zusammenspiel, in dem Masse, Linie und Raum in ein faszinierendes Gleichgewicht finden.
- Eröffnung: 02. November – 19:00
Annerose Riedl
Annerose Riedl (*1949, Passau) widmet sich seit Jahrzehnten einer der ursprünglichsten Disziplinen der Bildhauerei: der Arbeit mit dem gewachsenen Holzstamm. Als Autodidaktin hat sie eine unverwechselbare Formensprache entwickelt, deren Zentrum das Figürliche, vor allem die weibliche Gestalt bildet. Meist aus Lindenholz geschlagen und partiell farbig gefasst, entziehen sich ihre Skulpturen jedem konventionellen Schönheitsideal. Ihre Frauenfiguren sind weder idealisierte Akte noch bloße Abbilder; sie stehen geerdet, charakterstark und mit feiner Selbstironie im Raum.
Die Spuren der handwerklichen Bearbeitung, Risse und die gewachsene Maserung des Holzes werden nicht geglättet, sondern bewusst als lebendiger Teil des Werks sichtbar gelassen. Ihre archaisch reduzierten Figuren besitzen eine fast stoische Ruhe und eine spürbare körperliche Wucht. Als eine der markantesten Stimmen der zeitgenössischen Holzbildhauerei steht Riedl für eine kompromisslose Wahrhaftigkeit, die Menschsein in seiner ganzen Erdung, Stärke und Unverstelltheit begreifbar macht.
Alois Riedl
Alois Riedl (*1935, St. Marienkirchen bei Schärding) hat die Malerei und Zeichnung zu einer zutiefst plastischen Erfahrung verdichtet. Ausgehend von scheinbar banalen Alltagsgegenständen wie Kissen, Polstern oder Stuhlfragmenten entwickelt er monumentale Bildkörper von archaischer Schwere. Seine Motive sind keine klassischen Stillleben, sondern autonome Setzungen, die das Gegenständliche schrittweise in eine wuchtige, fast skulpturale Abstraktion überführen.
Mit kräftigen, dunklen Konturen, pastosem Farbauftrag und einer erdigen, konzentrierten Palette verleiht er der Fläche ein spürbares Volumen. Das Zeichnerische und das Malerische verschmelzen dabei zu einer elementaren Auseinandersetzung mit Raum, Begrenzung und physischer Masse. Als eine der eigenständigsten Positionen der österreichischen Nachkriegskunst steht Riedl für ein Werk, das dem vermeintlich Flüchtigen und Profanen eine zeitlose, monumentale Dauer verleiht.
Wolfgang Stifter
Wolfgang Stifter (*1946, Ottensheim) begreift die Bildfläche als hochdynamischen Resonanzraum zwischen Zeichnung und Malerei. Ausgehend von der Druckgrafik und der Beherrschung der Linie hat er eine unverwechselbare Zeichensprache entwickelt, in der gestische Spontaneität und formale Disziplin ineinandergreifen. Seine Arbeiten leben von impulsiven Chiffren, kalligraphischen Elementen und dichten Linienbündeln, die sich rhythmisch über vielschichtige Farbgründe legen. Die Linie dient bei ihm nicht dem Umreißen von Gegenständen, sondern wird zum eigenständigen, energiegeladenen Bedeutungsträger.
In komplexen Überlagerungen aus Mischtechnik, Eitempera oder Öl auf Leinwand und Papier entstehen Bildräume von vibrierender Offenheit. Stifters Kompositionen verharren nie im Statischen; sie pulsieren, brechen starre Ordnungen auf und setzen den Raum in Schwingung. Als langjähriger Rektor und Professor der Kunstuniversität Linz sowie als herausragender Maler und Grafiker steht Stifter für ein Werk, das die Freiheit der malerischen Geste mit analytischer Klarheit verbindet.


