Informationen zur Ausstellungseröffnung „Zeitlinien“ mit Billi Thanner

Wenn sich ab 2. März die Türen der Galerie Schloss Parz öffnen, entfaltet sich mit Zeitlinien ein spannungsreicher Dialog zweier souveräner künstlerischer Handschriften. Billi Thanner und Madita Kloss stehen für unterschiedliche Generationen, ästhetische Strategien und Erfahrungsräume – und doch kreuzen sich ihre Arbeiten in zentralen Fragen unserer Zeit. Identität, Selbstbild, Körper, Spiritualität und die Macht der Bilder ziehen sich wie unsichtbare Linien durch diese Ausstellung und verbinden Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukünfte.

Zeitlinien ist bewusst als Gegenüberstellung konzipiert. Der großzügige Hauptraum der Galerie wird von Billi Thanners unverkennbarer Energie geprägt, während Madita Kloss im Rahmen von „Kunst im Kabinett“ einen konzentrierten, intimen Resonanzraum bespielt. Zwei räumlich getrennte Präsentationen, die inhaltlich eng miteinander verwoben sind, laden dazu ein, zwischen expressiver Unmittelbarkeit und erzählerischer Verdichtung zu wechseln. Die Ausstellung versteht sich als Einladung, Zeit nicht linear zu denken, sondern als Geflecht aus Überlagerungen, Brüchen und Wiederholungen.

  • Eröffnung: 02. März – 19:00
  • Ausstellungsdauer: 05. April
Ein Portrait von Billi Thanner
Porträt – Billi Thanner

Billi Thanner

Billi Thanner zählt zu den markantesten Stimmen der österreichischen Gegenwartskunst. Spätestens mit ihrer monumentalen Installation „Himmelsleiter“ (2021), die den Wiener Stephansdom in goldenes Neonlicht tauchte, wurde sie auch über die Kunstwelt hinaus bekannt. 2025 beeindruckt sie mit der Lichtinstallation  „Unendlichkeit des Lichtes“  auf der Votivkirche. Thanners Praxis ist vielseitig und physisch präsent: Neon, Licht, Aktionismus, Malerei und installative Eingriffe verschmelzen zu einer Kunst, die Räume nicht nur bespielt, sondern atmosphärisch auflädt.

Besonders charakteristisch ist ihre Malerei auf speziellen Folien, die an Hinterglas-Techniken erinnert und eine künstlich schillernde Oberfläche erzeugt. Inhaltlich rückt Thanner die Frau ins Zentrum: selbstbewusst, fordernd, nicht dekorativ, sondern handelnd. Ihre Arbeiten verbinden Konsumästhetik mit existenziellen Fragestellungen und thematisieren Schönheit, Vergänglichkeit, Körperpolitik und gesellschaftliche Verantwortung. In Zeitlinien erscheinen ihre Werke wie Marker einer intensiv gelebten Gegenwart: laut, leuchtend, emotional zugänglich und zugleich philosophisch aufgeladen.

Madita Kloss

Als bewusster Kontrapunkt dazu steht die Präsentation von Madita Kloss im Kabinett der Galerie. Kloss (1988) bringt einen ungewöhnlich direkten Zugang zur Malerei mit, geprägt durch ihre frühere Tätigkeit als erfolgreiche Art Directorin. Dieser Hintergrund verleiht ihren Arbeiten eine hohe visuelle Präzision, ein ausgeprägtes Gespür für Komposition und narrative Spannung.

In ihren Gemälden verbinden sich biblische und mythologische Motive mit zeitgenössischer Popkultur und expressiver Farbigkeit. Frauenfiguren treten als aktive, selbstbestimmte Protagonistinnen auf, eingebettet in Bildräume, die wie verdichtete Szenen eines visuellen Dramas wirken. Kloss arbeitet mit spontaner Gestik, kräftigen Linien und mutigen Farbflächen, zugleich jedoch mit großer Sensibilität für Rhythmus und Struktur. Im intimen Rahmen des Kabinetts entfalten diese Arbeiten eine besondere Intensität: sie verlangen Nähe, Zeit und Aufmerksamkeit. Ihre Werke wirken wie Zeitfragmente, in denen Vergangenheit und Gegenwart gleichzeitig präsent sind.

Portrait Madita Kloss
Porträt – Madita Kloss

Die Eröffnung von Zeitlinien am 2. März um 19:00 Uhr markiert einen besonderen Start im Jahresprogramm der Galerie Schloss Parz. Zwei künstlerische Positionen treffen aufeinander, die den Raum auf unterschiedliche Weise beanspruchen und gerade dadurch einen produktiven Dialog eröffnen. Der Wechsel zwischen Hauptraum und Kabinett wird selbst zur Erfahrung: von der leuchtenden, raumgreifenden Geste hin zur stillen, erzählerischen Konzentration.

Zeitlinien lädt dazu ein, diese Übergänge bewusst wahrzunehmen und sich auf unterschiedliche Geschwindigkeiten des Sehens einzulassen. Die Ausstellung zeigt, wie vielfältig zeitgenössische Kunst Zeit reflektieren kann: als Moment, als Erinnerung, als Projektion.

Billi Thanner
Restilicht aus der Serie Zeitlinien, 2025
Mixed Media, 180X110CM
Photo: Katharina Schiffl
Madita Kloss
Weisheit II, 2025
Ölpastell und Acryl auf Leinwand, 90X70CM